Flavia Pittalà
Alessandro Forte

ITALY

So wie viele glücklichen Begegnungen ist auch unsere einem Problem zu verdanken. Es handelte sich um eine von mir nicht bestandene Prüfung. Ich war gerade dabei, auf das Kunsthochschuldiplom zu verzichten, als mich ein Freund mit Alessandro bekannt machte: er malte berufsmäßig Bilder.

Dank ihm konnte ich einige Hürden überwinden und plötzlich entdeckte ich die Leidenschaft: für ihn, für Alessandro und für seine aus Pinseln, Farben, epischen Erzählungen und religiösen Bildern bestehende Welt. Beinahe ohne es zu bemerken, schloss ich die Akademie ab und begann, mit ihm zu arbeiten: wir malten Bilder für Kirchen und bemalten Betten-Kopfteile sowie Zimmerdecken in Häusern. Alessandro hatte die Fähigkeit, mir all jene Dinge zu erleichtern, die mir selbst schwierig erschienen.

Niemals zuvor hätte ich geglaubt, dass sich die Rollen vertauschen würden: nämlich, dass ich diejenige sein würde, ihm dabei helfen, einen Traum zu verwirklichen, der schließlich auch zu meinem wurde. Als er mir von seinem Wunsch erzählte, sizilianische Karren zu bemalen, sprach er davon, als wäre dies unmöglich. Ich verstand nicht, worin das Problem lag.

Mir war nicht bewusst, dass es praktisch keine Karren mehr gibt und dass es in ganz Sizilien nur mehr einen Handwerker gibt, der in der Lage ist, diese zu bauen.

Ebenso war ich mir nicht darüber im Klaren, dass für das Bemalen eines Karrens fast zwei Monate mit täglichem Einsatz notwendig sind und dass man die gesamte epische und religiöse Ikonographie, die die sizilianische Kunst charakterisiert, kennen muss. Ich hatte mir nicht gedacht, dass mir das Studium an der Akademie noch einmal von Nutzen sein würde, um mit Hilfe von Farben Szenen der Beschützer Frankreichs, von Garibaldi und dem Zug der Tausend, von der Cavalleria Rusticana nachzubilden.

All das entdeckte ich dadurch, indem ich mich gemeinsam mit meinem Mann auf dieses Vorhaben einließ. Indem ich gemeinsam mit ihm Momente der Mutlosigkeit und Müdigkeit, aber auch Tage voller Enthusiasmus und Zuversicht durchlebte.

Und so nahmen wir unter ständigem Weiterlernen eine Herausforderung in Angriff, die wir schließlich gewannen und die zu unserem Beruf wurde.